Geschichte
  
Gasthaus Georg Ludwig

Erwähnt wird das Anwesen erstmals 1466 im Stiftsbuch von Kloster Dießen. Für „diese Hueb“, heißt es dort 1602, „hat Veit Khoch sein Geschwistern 160 Gulden geben (ausbezahlt)“. Der Hof, auf 200 Gulden geschätzt, wirtschaftete mit „3 Roß, 1 Fillerl, 4 Khüe, 1 Jundrind, 4 Schaf! Die Gebäude, so eine Steuernotiz von 1629, sind mit Schindeln bedeckt, es gibt einen Schöpfbrunnen im Hof, einen Kornkasten, einen Stall für Pferde und Rinder sowie einen für Schweine. In der Steuerbeschreibung von 1675 wird der Koch, so der alte Hausname, folgendermaßen taxiert: 300 Gulden, ganz paufähig“.

Wieviel Grundbesitz einst zu diesem großen Hof gehörte, ist kaum mehr festzustellen, da kurz nach der Aufhebung von Kloster Dießen, 1803 beträchtliche Grundstücksflächen von dem damaligen Besitzer verkauft wurden. 1812 waren 35 Tagwerk für den „Koch-Hof“ eingetragen. 1854 übernahm die Familie Glas das Anwesen und erwarb 1862 die Schankkonzession. Maising bekam damit sein erstes Wirtshaus. Seitdem lautet der Hausname  „Wirth“. Ökonomiegebäude und Eiskeller wurden neu gebaut. Das Wirtshaus ist heute noch in Betrieb. Selbst die alte Kegelbahn aus den 20er Jahren ist noch bespielbar.

Zwei  Eigenarten soll Maria Ludwig, die alte Wirtin des Gasthofs „Ludwig“ in Maising, gepflegt haben, ihr „Elephantengedächtnis“, das nichts vergisst und nicht vergibt, und ihr merkwürdiger Dienstboteneinstellungstest.

Seit 1908 bewirtschafteten Georg und Maria Ludwig ihren Gasthof in Maising.

Es war eine einfache Wirtschaft, wie sie früher in den Dörfern üblich waren, in denen vor allem Bier ausgeschenkt wurde, denn zum Betrieb gehörte noch eine Landwirtschaft, die mehr Zeitaufwand erforderte. Nur zweimal in der Woche gab es beim „Ludwig“ warme Speise: am Samstag- und Mittwochabend.

Einfache Hausmannskost wie Schweine- und Rinderbraten, Rindsrouladen und Brotzeiten wie sauren Pressack. Die Gaststube war an solchen Tagen meist so gut besucht, dass Georg Ludwig dafür zwei Bedienungen anstellen musste. Das Bier wurde vom Eis im eigenen Eiskeller gekühlt, das der Wirt im Winter mit einer langen Säge aus dem Klostermeier-Weiher herausschnitt. Das so temperierte übliche Dunkle kam in Drei-Quartel-Steinkrügen auf den Tisch oder wurde von Kindern für den Abendtrunk daheim abgeholt. Und dabei passierte manchem Buben das Malheur, das er plötzlich mit Maria Ludwigs „Elephantengedächtnis“ Bekanntschaft machte und eine Tracht Prügel von der Wirtin bekam. Zum Gasthof gehörte nämlich ein wohlsortierter Obstgarten, in dem die lieblichsten Äpfel wuchsen. Eine Herausforderung, der man als Bub nur schwer widerstehen konnte. Aber die Wirtin hütete wachsamst ihren Apfelhain. Wenn sie die kleinen Diebe dabei beobachtete, dann wartete sie, oft auch Wochen, bis diese einmal zum Bierholen kamen.

Seltsam war auch ihr Test, um einen neuen Knecht einzustellen. Bevor der eine Zusage bekam, musste er zuerst einmal unter den wachsamen Augen von Maria Ludwig eine Brotzeit essen. Aß er zu bedächtig, war er schon wieder entlassen, aß er hastig, wurde er eingestellt. Für die Wirtin galt: „Wie man isst, so arbeitet man.“

Theatervorführungen, Faschingsbälle, Christbaumversteigerungen und Musik gab es beim „Ludwig“ bis 1958 im Saal und in der Wirtsstube. Manchmal ereigneten sich dort auch seltsame Geschichten. Als der alte Gemeinderat gemütlich zu vorgerückter Stunde noch zusammensaß, wollte das Ratsmitglied Josef Benedikt allen Anwesenden unbedingt seinen neuen Prachtstier zeigen. Da keiner der Herren seinen gemütlichen Platz verlassen wollte, ging der Benedikt allein heim in den Stall, schirrte den Stier aus und führte ihn am Ring zum „Ludwig“. Die Wirtin, die den stolzen Besitzer herannahen sah, verriegelte blitzschnell alle Türen des Hauses. So fand die „Stierschau“ vor dem Wirtshaus und nicht, wie vom Herrn Gemeinderat geplant, in der Gaststube statt.

Ab 1976 öffneten die Wirtsleute ihr Gasthaus nur sonntags, nach der Kirche, zwischen 10 und 12 Uhr. Mitte der 80er Jahre schloss der Gasthof „Ludwig“ ganz.

1996 wurde das traditionelle Wirtshaus renoviert und unter dem alten Namen mit neuen Pächtern wieder eröffnet. Samt seiner buckligen Kegelbahn.

Ch. Peuker
(Nach Erinnerungen von Doris Schmötzl und Betti Bernhard)

Aus dem Buch „Milli und Stenz Geschichten aus Bauerndörfern am Starnberger See“  
von Ludwig Ott (Hg.)  Erschienen im Kunstverlag Josef Fink
Mit freundlicher Genehmigung von Christine Peuker.